PRESSEMITTEILUNG   

11 Stunden Herzklopfen pur  - Spannung und Vielseitigkeit beim 8. Wettbewerb um den Jugendkunstpreis der LKJ Sachsen e.V. im Theater der Jungen Welt/LOFFT Leipzig

Preise gingen nach Chemnitz, Bautzen, Hoyerswerda, Heidenau, Borna, Burgstädt und Leipzig.

Am Sonnabend glich das regen Zuschauerbetrieb gewohnte Theater der Jungen Welt einem bunten Ameisenhaufen – und das von morgens früh um 8.00 Uhr bis abends 21.00 Uhr. Aus allen Teilen Sachsens  -  Hoyerswerda, Plauen, Großröhrsdorf, Frankenberg, Lauta, Wurzen, Langenchursdorf, Chemnitz, Dresden, Hartha, Rochsburg, Zwickau -  waren 300 Jugendliche, z.T. begleitet von Freunden, Lehrern oder Eltern, angereist, um ihre eingereichten Wettbewerbsbeiträge unter dem Thema „Herzklopfen“ einem interessierten jugendlichen Publikum und den Juroren der fünf Fachjurys zu zeigen, vorzulesen oder zu erläutern.Im August hatte die Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (LKJ) Sachsen e.V.  alle in Sachsen lebenden Jugendlichen im Alter von 13 bis 26 Jahren aufgerufen, sich mit Arbeiten aus den Bereichen Tanz, Musik, Theater, Medien, Bildende Kunst und Literatur am Wettbewerb der zu beteiligen. Das Thema  traf den Nerv der angesprochenen Altersgruppe. In ihren eingereichten und am 10. Dezember in Leipzig präsentierten Beiträgen erzählten und zeigten sie, was bei ihnen den Puls steigen, den Magen flau werden oder  das Herz höher schlagen lässt: natürlich ist es ganz oft die Liebe, aber auch sportliche oder emotionale Herausforderungen, Konflikte mit Freunden, Entscheidungssituationen in allen Lebensbereichen bringen das Herz in Wallung. Eingereicht wurden sie von Tanz- und Theatergruppen, Jugend- und Kultureinrichtungen, Schulen aller Schulformen und vielen jungen Einzelkünstlern.   Die Juroren hatten keine leichte Arbeit, denn es ist bei einem insgesamt bemerkenswert hohen Niveau der eingereichten Arbeiten nicht leicht, z.B. aus 120 Arbeiten der Bildenden Kunst drei Preisträger zu ermitteln. Deshalb wurden die Juryentscheidungen am Abend mit großer Spannung und viel Herzklopfen erwartet.  Preise gingen nach Chemnitz, Bautzen, Hoyerswerda, Heidenau, Borna, Burgstädt und Leipzig. Den erstmals ausgelobten Publikumspreis erhielt das Theatrium Leipzig für das Stück „Casablanca das Musical“.   Für Abwechslung zwischen den Beiträgen sorgten Kreativangebote wie das Gestalten von T-Shirts oder die individuelle zuckersüße Verzierung von 300 Pulsnitzer Herz-Lebkuchen. Die Band Baru, Gewinner des f6 Music Awards, sorgte mit ihrem Konzert zwischen letztem Wettbewerbsbeitrag und Preisverleihung für tolle Stimmung und die Leipziger Löwenbäckerei spendierte leckeres Weihnachtsgebäck.   Bei dieser Veranstaltung, die die LKJ Sachsen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Theater der Jungen Welt durchgeführt hat, geht es aber nicht nur  um die Vergabe von Preisen. Vielmehr geht es den Veranstaltern darum, jungen Menschen eine Bühne und ein Podium zu geben, auf dem sie sich zeigen können. Es geht um die öffentliche Anerkennung nichtschulischer Leistungen, um gegenseitige Wertschätzung und den Respekt vor der Arbeit der anderen und ein fachliches Feedback. Dabei entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft Gleichgesinnter – ganz egal, ob jemand aus Leipzig oder Weißkeißel kommt, aus dem Gymnasium oder der Mittelschule. 

Die Preisträger und die Begründungen der Jury:  
Bereich Tanz: Zwei erste Preise gingen an:
 
Tanzklasse 8 der Musikschule „J.S. Bach“; Leipzig     
“Jeder Krieg ist ein Krieg gegen Kinder“

Das Thema des Tanzes ließ die Jury erstaunen, sondern regte auch zu heißen Diskussionen an. Verbindet man „Herzklopfen“ doch eher mit alltäglichen als existenziellen Emotionen. Dargeboten wurde eine tanztechnisch und interpretatorisch überzeugende Leistung. Hervorzuheben ist auch die Authentizität der relativ jungen Tänzerinnen.

Quertänzer der Musik- und Kunstschule „Ottmar Gerster“, Borna „Synapsenchaos“

Im Synapsenchaos nähern sich zehn junge Tänzerinnen dem Thema „Herzklopfen“ eher von der biologischen Seite. Die verschiedenen Gefühle wurden in interessante und passende Bewegungen umgesetzt. Der Einsatz des Requisits, der Sprache und der Musikauswahl unterstützte die choreografische Aussage zusätzlich. Hervorzuheben ist das tanztechnische und interpretatorische Niveau der Gruppe.    


Bereich Theater: Ein erster Preis ging an: 

Theatergruppe Jojo der Kinder- und Jugendkulturwerkstatt Leipzig Südost
„Fuck Lack“


Streit um Kleinigkeiten, Langeweile und Eintönigkeit okkupieren die Bühne. Es wird gebrüllt und geflucht, denn leicht ist es nicht als junger Mensch in einer Kleinstadt wie Lack zu leben und zu sich selbst zu finden. Gerade wenn man vermeintlich anders ist als alle und aus dem Kleinstadtrahmen fällt. Die  vier Spielerinnen nehmen sich in ihrer Inszenierung einem schwierigen Thema an, dass sie mit authentischem Spiel stark umsetzen. In einer kraftvollen Anverwandlung der Rollen entwickeln sie in einem sparsamen Bühnenbild die trostlose Kleinstadtidylle  überzeugend und brechen diese nach allen Seiten auf.   

Bereich Literatur: Zwei erste Preise gingen an: 

Franziska Gaudig, Leipzig
„Regungslos“

Eine Junge oder ein Mann ist nachts weggewesen und kehrt wieder in die Wohnung zurück. Er weiß nicht, wie die andere Person, die zuhause geblieben ist, reagiert. Es gibt zu dieser Person auch ein deutliches Spannungsverhältnis. – Die Geschichte lenkt auf eine gestörte Mann-Frau-Beziehung – bietet am Schluß aber eine ganz andere Pointe:  weder Freundin noch Ehefrau, gewartet hat die Mutter. Der Jury gefällt, wie die Autorin ganz konsequent eine Eindeutigkeit vermeidet und so den Text sehr schön pointiert abschließen kann. Dabei vermag sie das Erzählen gut zu steigern – als der Leser glaubt, Bescheid zu wissen, fällt ihre Pointe. Die Jury lobt den Gestaltungswillen der Autorin. Der Text ist knapp und überraschend.   

Wiebke Niebel, Burgstädt
„Von Gewinnern und Verlierern und dem Herzklopfen dazwischen“

Ein Mädchen wohnt in einer zwielichtigen Gegend  und hat Probleme mit ihrer alkoholabhängigen Mutter. Sie will unbedingt kein Verlierer mehr sein, sondern ein Gewinner. Deswegen  will sie einen Marathon gewinnen. Der Jury gefällt, wie der Text sich mit Gewinnern und Verlierern auseinander setzt, bis der Protagonist erkennt, dass es auch Stufen dazwischen gibt. Die Geschichte regt zum Nachdenken an und ist sprachlich gelungen.

Bereich Bildende Kunst: Drei erste Preise gingen an: 

Thea Kleinhempe, Chemnitz
„Adrenalin“

… Natürlich Kreisläufe kann man nicht unterdrücken. Man kann die Aufregung nicht verhindern. Lass deinem Körper die Freiheiten die er braucht.“ Thea hat das Thema Herzklopfen über den Begriff, das Gefühl, das Hormon Adrenalin sehr tiefgründig erforscht. Ihr ist es gelungen, den Inhalt sehr gut in Wort und Text festzuhalten und mit bildnerischen Mitteln umzusetzen. Wobei sie flächige und graphische Elemente, Farbkontraste und verschiedene Techniken spannungsvoll miteinander kombiniert und vollkommen logisch in Beziehung setzt. Sie schafft es, Abstraktion und realistische Darstellung von bedeutungsvollen Details in ihren Arbeiten zu vereinen. Dem Betrachter werden Ansatzpunkte für Interpretationen gegeben, die den Standpunkt der Künstlerin verdeutlichen. Jedoch bleibt viel Spielraum für die eigene Interpretation des Betrachters offen.  

Sarah Schierz, Bautzen
„Herzenshüter“

Die Perfektion der Bleistiftzeichnung ist in Sarahs Arbeit sehr eindrucksvoll. Sie hat ihre Idee technisch mit großer Ernsthaftigkeit und Durchhaltevermögen umgesetzt. Ihr ist es gelungen, ihrer Idee durch eine klare bildnerische Darstellung Ausdruck zu verleihen. Der persönliche  Bezug zum Thema Herzklopfen wird klar deutlich. Sie schafft es, von ihrer eigenen persönlichen Erfahrung durch die Wahl ihrer Gestaltungselemente den Focus von sich selbst auf die Menschheit im Allgemeinen zu projizieren. Somit gelingt es ihr, das sich der Betrachter persönlich angesprochen fühlt.  

Ona Pilling, Emily Pittner, Antonia Gräfe, Lara Höffner, Freie Schule Leipzig  
„Herzklopfen“

Die vier jungen Künstler haben sich zusammengetan und ein Gemeinschaftswerk geschaffen zu dem für dieses Alter schwierigen Thema, auch wenn man in diesem Alter schon weiß, wo das Herz sitzt – und alles andere auch. Und wie es pocht wohl auch. Sie haben dieses Unterfangen mit Bravour und mit großer Originalität umgesetzt. Unterschiedliche Personen als Torso in ihrer unterschiedlichsten Funktion und Bedeutung, ob als Weihnachtsmann, als Sportler, als Oma, als Tänzerin oder Meerjungfrau haben ein Herz, das sie deutlich nach außen tragen und ihr spezifisches eigenes Herzklopfen. Bei ihnen hat sogar der Tod ein Herz, und so haben uns ihre Aussagen zum Thema auch wirklich weitergeholfen, um zu diesen letzten Erkenntnissen der Menschheit zu gelangen.   

Bereich Medien: Zwei erste Preise wurden vergeben an:  

Markus Ullrich vom Team Hoodrealm, Heidenau
"Splashdive"

Es ist Sommer, es ist heiß – Abkühlung gesucht. Für den Film Splashdive griffen Markus Ullrich und das Team Hoodrealm aus Heidenau spontan zur Kamera und nehmen uns Zuschauer mit auf den Sprungturm im Freibad. Durch kreatives Spiel mit der Kamera fangen sie elegante und waghalsige Sprungmanöver ein. Die ästhetischen Bilder werden zusätzlich durch die passend gewählte Musik untermalt. Es entsteht ein Film, der nicht nur Spaß bringt, sondern auch beim Zuschauer die Lust weckt, einfach mit zu springen. Herzklopfen hatten also nicht nur die Springer, sondern auch wir als Jury.  

Martin Rattke, Hoyerswerda
"Eine Stadt tanzt II"

Der Film portraitiert eine Gruppe von 70 Personen, die sich aufgrund einer Zeitungsanzeige zusammengeschlossen haben, um ihre Stadt Hoyerswerda zu beleben. Dabei treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander und Martin Rattke ist einer von ihnen. Die Arbeit dokumentierte er mit seiner Kamera. Der Film kommt fast ohne Worte aus, er funktioniert durch Kameraarbeit, Schnitt, stimmige Musik und die Protagonisten. Dabei wird allein durch die Wahl der Bilder und Szenen deutlich, wie viel Leidenschaft und Herz alle Beteiligten in das Projekt gesteckt haben. Martins Film passt deshalb zum Thema Herzklopfen, weil er unterhält und berührt. Dass Martins Herz für die Sache schlägt, nimmt man ihm ab!