Gegen Kürzungen in der Jugendhilfe
Für ein soziales Sachsen!

 
11. März 2010
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,
die Sie/Ihr bei der Kundgebung am 10. März vor dem Sächsischen Landtag dabei waren oder Ihren Protest vorab zum Ausdruck gebracht haben,

nach Angaben des Sächsischen Landtages haben gestern mehr als 4.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor dem Landtag gegen die Kürzungen in der Jugendhilfe und für ein soziales Sachsen protestiert. Es war ein wichtiges, unübersehbares und unüberhörbares Zeichen von Geschlossenheit und Ernsthaftigkeit, es war eine wunderbare Atmosphäre der Solidarität und es war, so deprimierend das Abstimmungsergebnis auch ausfiel, auch spürbar, wie viel Kampfgeist, Entschlossenheit zum Widerstand und Tatkraft sich auf diesem Platz vereinten...

Der gesamte Text als PDF-Datei hier


Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Beteiligung:

www.frei-will-ich.de
www.kjrs-online.de
www.jugend-ist-mehr-wert.de
www.lkj-sachsen.de/fsj-kultur/fsj-was/

Kürzungen in der Jugendhilfe bedrohen die sächsische Jugendhilfelandschaft in ihren Grundfesten

Einrichtungen und Angebote in Städten und Gemeinden, von Landesverbänden sowie die Freiwilligendienste sind in ihrer Existenz gefährdet. Durch weitere Kürzungen im sozialen Bereich ist die Staatsregierung im Begriff, den Sozialstaat und das solidarische Miteinander der Generationen aufzugeben. Kinder und Jugendliche von heute sind diejenigen, die in den nächsten Jahren in Politik und Gesellschaft, Wissenschaft, Industrie, Handwerk und Bildung Verantwortung übernehmen und die Geschicke unseres Landes lenken. Auch eine gelingende Jugendarbeit vermittelt die dafür notwendigen Werte und Kompetenzen. Wir fordern die Rücknahme der Kürzungen. Kinder und Jugendliche brauchen eine Perspektive in Sachsen! Unterstützen Sie unseren Protest, kommen Sie zum Landtag! Eine Gemeinschaftsaktion von Trägern der freien Jugendhilfe: Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen e.V. Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. Pro Jugend e.V. Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen e.V. LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V. Landesverband Soziokultur Sachsen e.V. Sächsische Landjugend e.V. unterstützt durch die LIGA der freien Wohlfahrtsverbände in Sachsen Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Recht Gebrauch zu machen und Personen, die rechten Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige Menschen verachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Wir bitten darum, auf eine Selbstdarstellung der Vereine und Verbände im Interesse der gemeinsamen Sache zu verzichten. Kulturelle Aktionen und Beiträge während der Kundgebung sind erwünscht. Bitte teilt uns mit, wenn bestimmtes Equipment dafür benötigt wird.

Leipzig, den 15.2.2010: Warum die geplante Halbierung der Freiwilligenstellen in Sachsen kontraproduktiv und ökonomisch sowie gesellschaftspolitisch kurzsichtig ist

„Das Interesse junger Menschen, einen freiwilligen Dienst zu leisten, ist ungebrochen. Zum einen verweist dies auf die hohe Bereitschaft von jungen Menschen in Sachsen zum sozialen Engagement, zum anderen ist das FSJ eine vortreffliche Gelegenheit zur Erprobung eigener Fähigkeiten für eine eventuelle spätere berufliche oder ehrenamtliche Orientierung.“ Helma Orosz, 10.09.2007

Der 3. Sächsische Kinder- und Jugendbericht unterstreicht die Bedeutung des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) als den spezifischen außerschulischen Bildungsort in der Phase der Berufsorientierung und Berufswahl junger Menschen. Das FSJ gibt jungen Menschen die Chance, sich sozial und gesellschaftlich zu engagieren. Es ermöglicht als Bildungs- und Orientierungsjahr wichtige Lernerfahrungen und Kompetenzerwerb. Biografische Übergänge, wie es das FSJ als Orientierungsjahr zwischen Schule und Ausbildung ist, müssen als Querschnittsaufgabe verstanden und auch Ressort übergreifend begleitet werden. Was bringt es dem Freistaat? Junge engagierte Menschen bleiben nach der Schule in Sachsen und gehen einer sinnvollen Tätigkeit in einem sozialversicherungspflichtigen und sozial abgesicherten Dienst nach. Sie erwerben dabei soziale, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen, lernen Verantwortung zu übernehmen und sich für andere zu engagieren. Sie bereichern das kulturelle Angebot in den Städten und Gemeinden für Kinder, Jugendliche und Bürger aller Altersgruppen und machen das Gemeinwesen, auch in ländlichen Regionen, dadurch attraktiver. Sie übernehmen Verantwortung für andere und verinnerlichen das als wichtige Grundhaltung ihres Lebens. Was bringt es den Einrichtungen? Im FSJ Kultur lernen die Freiwilligen im Laufe eines Jahres die Arbeit "ihrer" Einrichtung kennen, sie unterstützen die Mitarbeiter/innen bei ihrem Arbeitsalltag und arbeiten im Team an unterschiedlichen Projekten mit. Oft führen sie auch ein eigenes zusätzliches Projekt durch, das das Angebotsspektrum der Einsatzstelle bereichert. Sie sind wichtige Ansprechpartner für jugendliche Zielgruppen. Was bringt es den jungen Menschen? Sie sammeln wichtige vorberufliche Erfahrungen und erwerben fachliche und soziale Kompetenzen. Sie gehen einer sinnvollen Tätigkeit nach und erleben das Gefühl, gebraucht zu werden und nützlich zu sein. Sie machen die Erfahrung, dass sich Engagement lohnt und entwickeln eine klarere Vorstellung über ihre berufliche Entwicklung. Was kostet das FSJ den Freistaat? Ein FSJ-Platz für einen Freiwilligen kostet das Land 1.800 Euro im Jahr. Wenn dieser nun alternativ keinen Ausbildungs- oder Studienplatz mehr findet, wird er ALG II beantragen und dem Freistaat weit höhere Kosten verursachen. Außerdem entrichtet der Träger für ihn Beiträge zur Sozialversicherung – es handelt sich also um eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit. Die Arbeit der Freiwilligen wird nicht bezahlt, sondern nur mit einem symbolischen Taschengeld honoriert. Der Mehrwert, den sie schaffen, ist viel höher. Ihr Einsatz ermöglicht oft die Umsetzung zusätzlicher Projekte und Angebote einer Einrichtung, die Arbeit mit neuen Zielgruppen, eine stärkere Vernetzung mit Einrichtungen im Gemeinwesen und somit eine Erweiterung des kulturellen Angebotes schlechthin. Ein Platz im FSJ Kultur kostet ca. 600 Euro monatlich.
Darin enthalten sind Taschengeld inklusive Verpflegungsleistungen:
280 Euro
Sozialversicherungsleistungen:120 Euro
Kosten für die pädagogische Betreuung, Verwaltung und 25 Bildungstage: 200 Euro.

Dieser Platz wird mit monatlich 150 Euro durch den Freistaat bezuschusst. Welche Folgen hat die Reduzierung der FSJ-Plätze? Jungen Menschen wird die Möglichkeit genommen, ein FSJ in ihrer Heimat durchzuführen. Sie verlassen Sachsen und gehen in andere Bundesländer. Damit geht auch ein Stück Zukunft!Der Wunsch junger Menschen, sich gesellschaftlich und sozial zu engagieren, ist ein kostbares Gut der Gesellschaft. Er erfährt eine Absage – und das wird nicht folgenlos bleiben. Die Glaubwürdigkeit der Politik steht auf dem Spiel, die junge Menschen zur Mitgestaltung der Gesellschaft einlädt, ohne jedoch die erforderlichen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Die Einsatzstellen im FSJ, ganz gleich, ob es sich um Krankenhäuser, Jugend- oder Kultureinrichtungen handelt, sind auf die verlässliche Mitarbeit junger Freiwilliger angewiesen. Sie schaffen einen MEHR-WERT an sozialen Beziehungen, kulturellen Angeboten und sozialer Gemeinschaft.Deshalb fordert die Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (LKJ) Sachsen e.V. als Träger des FSJ Kultur die politischen Verantwortungsträger auf: Die geplante Kürzung der FSJ-Stellen in Sachsen von derzeit 1.100 auf 500 muss zurück genommen werden.Die politisch erklärte Wertschätzung des bürgerschaftlichen Engagements von jungen Menschen im Rahmen von Freiwilligendiensten muss auch finanziell untersetzt werden.

Die LKJ Sachsen e.V. hat 2001 im Rahmen eines bundesweiten Modellprojektes das FSJ Kultur in Sachsen etabliert. Begonnen mit 25 Freiwilligen hat es sich kontinuierlich auf Grund einer steigenden Nachfrage weiter entwickelt. Im Jahrgang 2009/2010 betreut die LKJ Sachsen e.V. 75 Freiwillige in 62 Einsatzstellen und plant im neuen Jahrgang eine Fortführung in dieser Größenordnung.

Pressemitteilung, Leipzig, 16.02.2010

Was sind Beschlüsse und Grundsatzerklärungen der Politiker noch wert? LKJ Sachsen e.V. sieht Angebote der kulturellen Bildung gefährdet

„Wir werden die kulturelle Bildung von Jugendlichen ausbauen …“, so steht es programmatisch in der Koalitionsvereinbarung der Sächsischen Staatsregierung vom 16. September 2009. In der Stellungnahme zum 3. Sächsischen Kinder- und Jugendbericht erklärt die Staatsregierung, dass sie „insbesondere im Bereich der kulturellen Bildung ein wichtiges Feld sieht, das es intensiver zu erschließen gilt“, dass „kulturelle Bildung einen Beitrag zur Entwicklung von kultureller Identität und Toleranz gegenüber Anderem und Neuem und damit auch zur Werteorientierung und Demokratieerziehung von jungen Menschen …leistet“. Mit so viel Rückenwind und erklärter Unterstützung der Staatsregierung ging die Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (LKJ) Sachsen e.V. an die Planung und Vorbereitung der Projekte und Vorhaben für das laufende Jahr. Inzwischen wurde der Rückenwind zu einem Sturm, der uns ins Gesicht bläst und unsere Standhaftigkeit auf eine harte Probe stellt. Was ist geschehen, dass innerhalb kürzester Zeit das erklärte Wort nichts mehr wert ist? Wie verbindlich ist die Politik? In Frankenberg sind wir zusammen mit Jugendlichen und der Stadtverwaltung mitten in den Vorbereitungen zum 8. Landesweiten Jugendkulturtag, in Werdau haben wir eine kulturell-künstlerische Ferienwoche für Kinder durchgeführt, ohne dafür eine Finanzierungsgrundlage zu haben. Wir sind das Risiko eingegangen, weil wir 25 Kindern, die sich für das Projekt angemeldet hatten, nicht absagen wollten. In zwei Wochen soll ein Seminar zur Ausbildung von Jugendleitern mit 15 Teilnehmern stattfinden – ohne bislang eine gesicherte Finanzierung zu haben. Das Landesschülertheatertreffen in Chemnitz steht vor der Tür, lange geplante Schulprojekte mit Mittelschulen in Ostsachsen und Leisnig, Fortbildungen, der Landeswettbewerb „Jugend tanzt“ und der Wettbewerb um den Sächsischen Kinderkunstpreis stehen auf der Kippe. Denn eine Kürzung im Bereich der Jugendarbeit von 600.000 Euro bedeutet ein Wegbrechen von Angeboten und gefährdet Arbeitsplätze. Da durch die Kürzung der Jugendpauschale von 14,30 Euro auf 10,40 Euro auch viele Kofinanzierungen in Frage stehen, ist jede Planungssicherheit in Frage gestellt. Bis zum heutigen Tag erhielten die überörtlichen Träger der Jugendhilfe keine einzige offizielle Information von den zuständigen Ministerien bzw. dem Kommunalen Sozialverband als zuständiger Bewilligungsbehörde, sondern ausschließlich aus der Presse. Anstehende Zahlungsverpflichtungen der seit vielen Jahren kontinuierlich geförderten Verbände wie SV-Beiträge, Gehälter und Mieten, können nicht eingelöst werden. Man lässt die Träger, die subsidiär Aufgaben der Landesregierung übernehmen, im Regen stehen. Noch heftiger sind die Einschnitte im Bereich des Freiwilligen Sozialen Jahres. Von derzeit 1.100 geförderten Stellen soll es ab September nur noch 500 geben. Die Jugendfreiwilligendienste sind aus den Bereichen Soziales, Gesundheit, Umweltschutz, Kultur, Sport und Politik nicht mehr wegzudenken. Wie groß ist das Interesse der Landesregierung wirklich, jungen Menschen im Freistaat eine Perspektive zu geben und freiwilliges Engagement zu ermöglichen? Wir bleiben bei unserem Ziel, jedem Kind und Jugendlichen, unabhängig von seinem Wohnort und seiner Herkunft, die Teilhabe an kulturellen Angeboten zu ermöglichen. Kulturelle Bildung leistet einen wichtigen Beitrag für die Persönlichkeitsentwicklung und ist eine zentrale Voraussetzung für ein chancengerechtes Aufwachsen. Wie viel ist diese Investition in die Zukunft dem Freistaat Sachsen wert?

LKJ Sachsen e.V. protestiert gegen geplante Kürzungen im Freiwilligen Sozialen Jahr - Aufruf zur Unterstützung

Leipzig, den 11.02.2010: Der Freistaat plant im Rahmen seiner Haushaltskürzungen für den Jahrgang 2010/2011 mehr als eine Halbierung der derzeit geförderten Freiwilligenstellen. Von derzeit 1.100 sollen ab September nur noch 500 Plätze gefördert werden. Diese Sparpolitik darf nicht umgesetzt werden! Sie widerspricht allen Aussagen, die die Bedeutung der Jugendfreiwilligendienste sowohl für die Entwicklung der jungen Menschen (Bildungs- und Orientierungsjahr) als auch eines bürgerschaftlich getragenen Gemeinwesens wertschätzen. Aufruf als PDF-Datei